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1977
Rechts Mitte Links
oder
Lieber die Mitte in der Hand, als die Rechte gelähmt!

Mit: Lukas Resetarits
Am Klavier: Peter Oswald
Assistenz: Lothar Schreiner
Bühnenbild: Georg M.. Resetschnig
Kostüme: Evelyn Luef
Technik: Sima Stojku

Mitarbeit: Georg Herrnstadt, Harald Irnberger, Willi Resetarits, Erwin Steinhauer, Wolfgang Teuschl, Heinz R. Unger

Premiere: 26. Oktober 1977
Ensembletheater, Wien

Programmfolge:

  • „Jeder ist seines Glückes Schmied“ (T: Rote Spieler, Wien 1933)
  • „Heute ist alles anders“ (T: Wolfgang Teuschl, M: Peter Oswald)
  • „Politik im Extrazimmer“
    1.Teil (T: Rote Spieler, Wien 1933)
    2. Teil (T: Heinz R. Unger)
  • „Laßt Inserate sprechen“
    1.Teil (T: Rote Spieler, Wien 1933)
    2. Teil (T: Lukas Resetarits)
  • „Die Ballade vom toten Konsumenten“ (T: Heinz R. Unger, M: eter Oswald)
    „Der Streik der Diebe“ (T: W. Teuschl, L. Resetarits nach einer Idee von Jura Soyfer)
  • „Der Zweihundertprozentige“ (aus: „Mit ana braunan Tintn“ von Harald Irnberger)
  • „Der alte Nazi kehrt zurück“ (T: Heinz.R. Unger, M: Georg Herrnstadt)
  • „Wie schafft man es kein Sympathisant zu sein!“ (T: Lukas Resetarits)
  • „Colloquium in Utero“ (T: Kurt Tucholsky)
  • ?Des Pudels Kern-Kraftwerk?
    1.Teil (T: Wolfgang Teuschl)
    2. Teil (T: Lukas Resetarits)
  • „Das kann doch nicht alles gewesen sein“ (T+M: Wolf Biermann)
DENKEND LACHEN

Hoch die kleinen Unterschiede! Es muß ja ein Unterschied sein zwischen dem Witzeln und dem Kabarett. Gewitzelt wird bei uns immer. Gutes Kabarett ist in Österreich selten.
Was ist ein gutes Kabarett? Gutes Kabarett ist kritisches Kabarett, ist denkend Lachen.
In welcher Ecke hat sich denn in den letzten 20 Jahren dieses kritische Kabarett verkrochen? Genügte es wirklich ganzen Generationen von Österreichern, über den Irren mit dem Zahnbürstl zu lachen? Über die Schwiegermutter? Über den Kreisky?
Es war einmal. In den Zeiten zwischen den beiden Weltkriegen. Da gab es gutes Kabarett in diesem Land. Es war hart und scharfzüngig. Es war kritisch und politisch. Vor allem war es mutig. Es war ein kämpfendes Kabarett, das nicht gemacht wurde, um die Leute von ihren Sorgen „abzulenken“, im Gegenteil, es lieferte beinharte Analysen der Ursachen dieser Sorgen.
Bei den „Roten Spielern“ arbeiteten Leute wie Jura Soyfer (der später im KZ umgekommene Dichter), oder Victor Grünbaum. Sie hätten kein gutes Kabarett gemacht, wenn sie nicht sofort von Austrofaschisten verboten worden wären, sobald diese an die Macht kamen. Ihre besten Kräfte arbeiteten in anderen, noch nicht so verdächtigen Kabaretts weiter, im „ABC“, in der „Literatur am Naschmarkt“. Bis Hitler kam und das Lachen ging.
Nach dem Krieg rappelte sich das Kabarett wieder auf und erlebte in den 50er Jahren so etwas wie einen Höhepunkt. Georg Kreislers blitzgescheite Lieder, Helmut Qualtinger voll ins Schwarze treffende Interpretationen – das war nicht austauschbar, das war bestes österreichisches Kabarett. Aber schon wurde – was sonst eher politischen Parteien droht – eine Spaltung sichtbar, die Spaltung in kritische Kabarettisten, die die Schwachstellen der Gesellschaft abklopften, und in biedere Witzereißer, die auf ihre Art – etwa durch platten Antikommunismus – „politisch“ sein wollten. Kreisler ging. Qualtinger ging. Ein witzloses Interregnum begann. Zwanzig Jahre seichter Scherze. Was früher auf einer guten Kabarettbühne zuhause gewesen wäre, wanderte in andere Medien ab, ins Fernsehen oder in die Literatur.
Bis vor ein paar Jahren eine neue Kabarett-Generation auftauchte, verkörpert zum Beispiel durch die Gruppe „Borobya“, durch das „Kabarett Keif“. Die Verantwortlichen der sogenannten „öffentlichen Hand“ zeigten kein besonderes Interesse an der Förderung der seltenen Pflänzchen. Keine dieser Gruppen brachte es zu einer eigenen Spielstätte.
Jetzt gibt es einen neuen Anlauf. Die jungen Kabarettisten haben aus der Geschichte gelernt. Sie knüpfen an große Traditionen an, an vergessene oder verschwiegene Quellen. Und sie sind gerade dabei in der Hauptstadt des Raunzens einen Brückenkopf des kritischen Kabaretts zu errichten.

Heinz R. Unger


Kritiken :

Kritisch, treffend, gekonnt
von Fr. Eug., Volksstimme, 29. Okt. 1977

Da rennt der Schmäh ...
von Peter Kaizar, Kronen Zeitung, 30. Okt. 1977

Giftspritzen, die unter die Haut gehen
von Rudolf John, Kurier, 2. Nov. 1977

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