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| "Höret, was Erfahrung spricht: Hier ist's so wie anderswo. Nichts Genaues weiß man nicht, dieses aber ebenso." Der tiefere Sinn lag bei Otto Grünmandl zumeist im höheren Unsinn. Er erzählte von Kanarienvögeln, die beim Bergsteigen abstürzten, von Felszacken-schleif- und -zuspitzmaschinen, oder er goss sich Sekt in ein Bierglas und verlachte, während er es überschäumend leerte, die im Hintergrund intonierte "Internationale". Direkte Pointen waren nicht sein Geschäft. Er pflegte die Ironie des Irrationalen. Sein Liebe zu skurrilen Paradoxa manifestierte sich bereits im Titel des Programms, dem das einleitende Zitat entstammt: Mit Der Einmann-Stammtisch wurde Grünmandl 1976 zum Vorreiter der Solokabarett-welle. Dabei war der 1924 geborene Tiroler ein Spätberufener in Sachen Humor: Der studierte Elektrotechniker war zuerst als Textilkaufmann tätig, bevor er sich Mitte der 60er als freier Schriftsteller der Kunst zuwandte. Vor allem Hörspiele - für Rochade wurde er 1970 mit dem Österreichischen Staatspreis ausgezeichnet - führten ihn in das ORF-Landesstudio Tirol, wo er von 1972 bis 1981 die Unterhaltungsabteilung leitete. In dieser Zeit entstanden seine ersten Kabarettprogramme: Am bekanntesten wurden seine zusammen mit Theo Peer erarbeiteten Alpenländischen Interviews, in denen er die ernste Form des klassischen Radiointerviews für erstaunliche Kurzgrotesken nutzte. Für seinen raffinierten szenischen Monolog Ich heiße nicht Oblomow schließlich erhielt Grünmandl 1987 den "Deutschen Kleinkunstpreis". Und mit jedem seiner weiteren Programme - u. a. Politisch bin ich vielleicht ein Trottel, aber privat kenn' ich mich aus (1987) - arbeitete er sich, lange bevor der Trash-Humor florierte, konsequent ein deutliches Stück weiter auf seinem eigentümlichen und oft einsamen Weg weitab breit angelegter kabarettistischer Klettersteige für den humoristischen Massentourismus. In den 90ern spielte er auch in mehreren Produktionen der Münchner Kammerspiele, oft an der Seite von Gerhard Polt. Am Freitag ist Otto Grünmandl nach langer, schwerer Krankheit in seiner Heimatgemeinde Hall in Tirol gestorben. Peter Blau Der Standard, 6.3.2000
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| OTTO GRÜNMANDL | ![]() |
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| BIOGRAPHIE Otto Grünmandl, Jahrgang 1924, hat, bevor er sich mit seinem ersten Soloprogramm "Der Einmannstammtisch" (Steirischer Herbst 1976) dem Kabarett und der Kleinkunst zuwandte, hauptsächlich als Funkautor gearbeitet. Er schrieb Hörspiele, Funkerzählungen, auch eine Novelle und ein Roman liegen aus dieser Zeit vor. |
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| Mit den Alpenländischen Interviews (1970 in Ö 3), in denen Grünmandl die Kleinform des Interviews zur Darstellung weniger satirischer als absurder Figuren, Situationen und Ideen benutzte, wurde Grünmandl innerhalb der großen Ö 3 Hörerschaft rasch bekannt und populär. 1978 bekam Grünmandl für sein Soloprogramm "Ich heiße nicht Oblomow" den Deutschen Kleinkunstpreis. Weitere Soloprogramme sind "Ich bin ein wilder Papagei", "Ein Fußbad im schwarzen Meer", "Ich komme aus der Wirtschaft", "Politisch bin ich vielleicht ein Trottel, aber privat kenn' ich mich aus", "Ich bin der Kaiser Nero". Grünmandl hat seinen festen Wohnsitz in Hall in Tirol. Er tritt hauptsächlich in Österreich und Bayern auf. Im Herbst 1985 erschien im Verlag Langen-Müller, in München, unter dem Titel "Es leuchtet die Ferne" eine satirische Reisebeschreibung von Otto Grünmandl. In den letzten Jahren hat Grünmandl mehrfach an Fernseh- und Radiosendungen mitgewirkt und in München Theater gespielt. So hat er bei der erfolgreichen kabarettistischen Revue "München leuchtet" (Kammerspiele München, mit Polt und Schneeberger) mitgewirkt. Zwei weitere Produktionen mit Gerhard Polt in den Münchner Kammerspielen und Mitwirkung bei diversen Theaterstücken ( z.B. im "Theatermacher") folgten. Sein Programm "Kreisverkehr", eine Groteske, hatte im Oktober 1992 in München Premiere. 1994 zeichnet der ORF sein Kabarettprogramm "Kreisverkehr" auf. 1995 spielt Grünmandl diverse Rollen in den Münchner Kammerspielen. 1996 gründet Grünmandl in seinem Heimatort in Hall in Tirol ein Zimmertheater wo er jedes Wochenende eines seiner alten Kabarettprogramme spielte. 1997 bringt Grünmandl mit 2 Musikern (Akkosax) ein neues Programm mit dem Titel "The mountain singers" heraus. 1999 bereitet er ein Buch seiner gesamten Prosatexte vor. Otto Grünmandl stirbt am 3.3.2000 in Hall in Tirol.
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Programme: |
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zu lächeln |
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Otto Grünmandl Der Versuch zu lächeln 1924-2000 2000 Know me video, Video: H-063 erhältlich: im Fachhandel |
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| Otto Grünmandl erfand den Satelittenauffangtrichter für Bergseen, er bestieg als erster mit einem Kanarienvogel in Seilgemeinschaft eine gefährliche alpine Nordwand und er kreierte den Einmannstammtisch. Das Video "Der Versuch zu Lächeln" gilt als Annäherung an die Person des Tiroler Kabarettisten, Schauspielers und Autors Otto Grünmandl, der sein Publikum mit seinen absurd, kauzigen Gedankenwelten zu begeistern vermochte. Neben einem Querschnitt durch sein kabarettistisches Schaffens wirft das gleichnamige Portrait seines Sohnes Florian auch eine Blick auf Otto Grünmandls Werdegang, sein Leben und die Erinnerungen an eine Kindheit, die von 1938 bis 1945 von der Verfolgung durch das Naziregime überschattet war.
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