Live dabeigewesen

Leo Lukas - Bei guter Führung lebenslänglich

24.11.2006

Foto: Petra Roller

Leo Lukas liefert seine Programme seit vielen Jahren auf einem derart hohen Qualitätslevel ab, dass man richtiggehend schwindlig werden könnte da oben. Da schunkelt virtuose Musikalität augenzwinkernd mit der Hinterlist, da vereint sich humoristisches Dauerschwarz mit kunterbunter Reimfreude und bittet bestens herangereifter Spielwitz gleichermaßen Intellekt und Herz zum immerschrägen Tête-à-Tête.

Mit einem Satz: Es ist und bleibt ein gar köstliches Vergnügen, von Leo Lukas zu lesen (Science Fiction-Bücher, Satiren, Magazin-Kolumnen usw.), zu hören (CDs, vor allem liedlastige, so auch zu diesem Programm) und zu sehen (vor allem live!). Er schafft es wie ganz wenige in diesem Land weit, weit weg vom kabarettistischen Mainstream nicht nur vordergründig die leider oftmals ziemlich brach dahindarbenden Humorfelder mit herrlich-saftigen Saaten zu bestücken, sondern diese samt all ihrer Nachhaltigkeit erst beim Heimgehen oder später zum Erblühen zu bringen. Leo Lukas könnte gut und gerne auch ein bestens erprobtes Pharmazeutikum sein, wirkt er doch sofort und nachwirkend. Was man eigentlich in Placebo-geilen Zeiten wie diesen gar nicht oft genug erwähnen sollte.

Auch sein neues Programm, das - von diversen Specials einmal abgesehen - mittlerweile sechzehnte in 26 Jahren, ist ganz bewusst nicht massentauglich angesetzt, obzwar es ihm auch mit "Bei guter Führung lebenslänglich" wiederum ziemlich eindrucksvoll gelingt, einen herzerfrischenden Rundkurs kreuz und quer durch diese Anstalt, die wir Leben nennen, zu stecken, auf den er uns in bewährter Manier einlud mitzugehen.

Diesmal allerdings mit einem Rudel an Effektkastln für die Gitarre - inklusive Loop, mit dem er sich und uns dann auch oft und gerne unterhielt und direkt ins Geschehen einband. Mehr denn je zuvor in Leo Lukas Programmen sind es die Lieder, die überraschen. Weniger wegen ihrer musikalischen Klasse oder wegen ihrer humorvollen Texte, sondern diesmal vielmehr wegen ihrer gefühlvollen Poesie, ihrer zum Teil wunderschön mitreissenden Melancholie. Vor allem das seinem Großvater, seinem Vater sowie seinen Onkeln gewidmete und ziemlich unter die Haut gehende "Verdient" zeugt von Leos virtuosen Qualitäten als Liedermacher im allerbesten Sinne. Treffend, frech und einfach nur mit einem riesengroßen JA zu quittieren kommt der "Bonobo Song" daher. Ein Thema, mit dem sich bekanntlich ja bereits der grandiose Funny van Dannen auf seiner CD "Grooveman" weidlich auseinander gesetzt hat.

Mutig, im Sinne von "Mut zur Wahrheit", bringt uns das ungemein melodiöse "Sehr geehrter Islam" zum Schmunzeln, nicken wir zustimmend bei "Ein Mann" und bei "Ned ima unbedingt" und freuen uns über das Alles-ist-möglich-Lied "Nix hackeln". An dieser Stelle sollte eigentlich erwähnt werden, dass in bewährter Manier einige Kabarett-Kollegen wieder ihre federführenden Finger im Spiel hatten: Mike Supancic, Olivier Lendl, Pepi Hopf, um nur einige zu nennen.

Auffallend scharfe Worte fand Leo Lukas in den so nebenbei erwähnten Gschichterln, die er uns rein zufällig erzählt. Seine Spitzen gegen die ehrenwerten Herrschaften Elsner, Flöttl, Verzetnisch & Co sind wohlüberlegt und punktgenau zurechtgefeilt, immer wieder bringt er Gustostückerl aus dem Flatulaboriums-Standardwerk des Index-Erfinders Wonimir Frittengril, einem Lexikon der "Schashockn", also Berufe von A - Z, vom Aalausweider bis zum Zugbegleiter.

Und er bewertet auch die Mitarbeit ausserhalb der Loop-Beiträge. Sein Credo: "Sie wissen ja, wer sich durch Mitarbeit ein bissi hervortut, der darf dann später das Pferd. Mehr sag ich jetzt noch nicht."

Ich verrate es Ihnen jedoch sehr wohl, meine Damen und Herren: Zum Schluß haben dann sogar einige das Pferd, aber hallo. Was Sie spätestens jetzt - wenn es nicht ohnehin bereits gelungen ist - ziemlich neugierig auf Leo Lukas' neues Programm gemacht haben sollte. Zumindest jedoch sollten Sie sich die CD zum Programm zulegen - mit weitaus mehr Liedgütern oben als im Bühnenprogramm vorkommt. Besser aber ist es, Sie geben sich beides: das Programm und die CD. Es zahlt sich allemal aus.

Willy Zwerger für Klein&Kunst Onlein