In alter Frische

„Die Kinder von heute sind Tyrannen. Sie widersprechen ihren Eltern, kleckern mit dem Essen und ärgern ihre Lehrer.“ (Sokrates, ca. 400 v. Chr,)

Dass das berühmte „lei lei lei lei“ aus dem „Simon & Garfunkel“-Klassiker „The Boxer“ ein untrügliches Indiz für dessen Kärntner Herkunft ist, hätte eigentlich schon früher mal Jemandem auffallen können. Leo Lukas legt die Wurzeln frei – und beschert uns die haarsträubend lustige Leidensgeschichte eines von einem beißfreudigen Boxer regelmäßig malträtierten Kärntner Postlers. Lange nicht mehr so gelacht ! Doch alles schön der Reihe nach. Der „Boxer“ kommt schließlich erst als Zugabe.

Leo Lukas ist einer der dienstältesten heimischen Kabarettisten, der aber – obwohl er ein Jahr älter ist als Alfred Gusenbauer, wie er schockiert feststellen muss – seinen jugendlich frechen Schalk im Nacken und den ungehemmten Spaß an seinem Metier nicht verloren hat. In seiner Familien-Trilogie beschäftigt er sich nach den Frauen („Wie man Frauen glücklich macht“) und den Männern („Was Männer wirklich brauchen“) diesmal mit den Kindern. Woher sie zumeist kommen, ist rasch geklärt : aus Versehen. Oder aus höchst unromantischen Seitensprüngen. Wohin sie kommen, ist indes nicht ganz so einfach zu beantworten. Und liegt nicht allein in der Macht der Erziehungsberechtigten. Die können ein Kind höchstens nachhaltig verkorksen. Die sozialen Rahmenbedingungen aber werden woanders erwürfelt. Wie schon in einem früheren Programm ausgeführt („Stell dir vor, du wachst auf – und bist Albanier“), ist das Schicksal eines Menschen nämlich untrennbar mit seinem Geburtsort verbunden. Mit bitterbösem Humor besingt Lukas dieses Zufallsprinzip : „Und wer in Sibirien geboren ist ...“. Auch auf Schutzengel ist kein Verlass mehr. Die sind gleich der ersten Rationalisierungswelle im frisch privatisierten Himmel zum Opfer gefallen.

Natürlich sind Kinder für Lukas auch unersättliche, trotzige und tyrannische Gesellen, die ihren Eltern unverschämt viel Zeit und Nerven abverlangen. Und das nicht nur dadurch, dass sie sie zum Besuch von Elternabenden verpflichten. Diesen widmet Lukas ein gar gruseliges Dramolett, das ohne große Übertreibungen folgerichtig mit Zerfleischungen dritten Grades endet. Aber Kinder haben auch ihr Gutes : Selbst manchen prominenten Mitbürgern bleiben ja nur die Notstandshilfe und das Kindergeld, um ein halbwegs angemessenes Auskommen zu finden. Das Thema „Kinder“ ist ja wirklich ein denkbar Dankbares. Bietet es Lukas doch überdies eine Vielzahl an Ansatzpunkten für allerlei Exkurse über partnerschaftliche Probleme, den Umgang mit Drogen, die Rechtsprechungspraxis bei Sorgerechts-Streitigkeiten etc. „Interessant ist : Wenn sich Leute über Unterhalt unterhalten, ist das nur selten unterhaltsam.“

Im Gegensatz zu seinen letzten Programmen verzichtet Lukas auf formale und dramaturgische, vertrackte Spielereien. Ganz ohne Firlefanz kombiniert er seine famosen Lieder (adäquat kindlich verspielt instrumentiert mit Gitarre, Trömmelchen, Ratsche, Akkordeon, Glöckchen und anderen Geräuscherzeugern) und Geschichten zu einem sprachlich gewitzten, hochamüsanten Programm, das sich allen kabarettistischen Zeitgeistern zum Trotz sogar eine message erlaubt.

Die immer wieder raffiniert und gut versteckt eingeflochtene Lebensgeschichte des kleinen Mario mündet nämlich in ein geradezu märchenhaftes Happy-End. Ein kleiner Hoffnungsschimmer wird ja wohl erlaubt sein. Merke : Wir können alle nichts dafür, wer wir sind – wir können nur versuchen, das Beste daraus zu machen. Vor allem dadurch, dass wir jenen Kindern helfen, denen das Schicksal nur ein Bruchteil jener Chancen in die Wiege gelegt hat, die uns offen standen. In diesem Sinn : Leo Lukas’ brandneuer Tonträger „WieWasWohin“ (Best-of aus „Wie man Frauen glücklich macht“, „Was Männer wirklich brauchen“ und „Wohin die kleinen Kinder kommen“) ist im „Kabarett Niedermair“ und unter office@knowme.at erhältlich – und € 5 pro verkaufter CD fließen an eine karitative Einrichtung zugunsten AIDS-kranker Straßenkinder in Rumänien. Sobald die Produktionskosten der CD abgedeckt sind, spendet dieser links-linke Gutmensch dann den gesamten Kaufpreis (€ 15).

Termine :
Bis 19.3. (Di – Sa) „Kabarett Niedermair“, 8., Lenaug. 1a, 408 44 92
28. – 30.4. „Spektakel“, 5., Hamburgerstr. 14, 587 06 53
6. & 7.5. „Kulisse“, 17., Rosensteing. 39, 485 38 70

Peter Blau für www.kabarett.at